Hochwasser im Iran

von | Nov 19, 2020 | Blog, Spenden | 0 Kommentare

Mindestens 78 Tote, über tausend Verletzte, mehr als 2000 Städte und Ortschaften, die ganz oder teilweise überschwemmt sind, zehn Millionen Betroffene, zwei Millionen, die humanitäre Hilfe benötigen, über 14.000 Kilometer Verkehrswege sind beschädigt worden und 725 Brücken sind eingerissen. Das sind ein paar Zahlen zu einer der verheerendsten Hochwasserkatastrophen im Iran der vergangenen Jahrzehnte. In 25 der 31 bestehenden Provinzen des Landes herrschte ab März bis in den Mai Hochwasser.

Als ich Ende Juli wieder zurück im Iran war, war die Situation in vielen Teilen des Landes immer noch erschütternd. Naturkatastrophen wie diese zeichnen wo immer sie auf der Welt stattfinden die betroffene Region für einen längeren Zeitraum. Hier kommt erschwerend hinzu, dass die Regierung komplett überfordert ist und die Verantwortung zwischen verschiedenen Organen hin und her geschoben wird.

Gemeinsam mit Hamid, bei dem wir schon während unseres Roadtrips für einige Tage untergekommen waren, machte ich mich auf den Weg nach Pol-e Dochtar in die Provinz Lorestan in den Westen Irans. Während Hamid dort einen Tag als Radiologe praktizieren sollte, war mein Tag damit vollgepackt mir bei über 40 Grad im Schatten ein Bild von der aktuellen Lage vor Ort zu machen. Die Stadt hat es vor ein paar Monaten mit am schlimmsten getroffen, sodass ich von einem Bekannten Hamids nicht lange herumgeführt werden musste, um auf das Leid der Menschen und die Schäden an Straßen und Gebäuden aufmerksam zu werden.  Je weiter wir uns dem inzwischen schon wieder normal verlaufendem Fluss näherten, desto mehr Schuttberge türmten sich in den Gassen und vor den Häuserruinen auf.

 

Wir suchten mit vielen betroffenen Familien das Gespräch, um herauszufinden, womit ihnen am meisten geholfen wäre. Da sich immer wieder große Menschengruppen um das Auto sammelten, sobald wir hielten, stellte sich schnell heraus, dass mal wieder nicht allen geholfen werden könne und man sich eine Hand voll heraussuchen musste. Das sind die am schwersten zu treffenden Entscheidungen. Woher soll man wissen, welche Familie Hilfe nötiger hat als andere? Woran genau macht man fest, wie sehr eine Familie leidet und wie bedürftig sie ist? Wo zieht man eine Grenze zwischen „es reicht, um zurecht zu kommen“ und „die Lebensbedingungen sind unwürdig“?

Da die Nahrungsmittelversorgung gegeben war und wir der Meinung sind lieber einer Hand voll Familien intensiv zu helfen als in einem Straßenzug allen jeweils 3 Säcke Reis zu bezahlen,  beschlossen wir den Familien, die zum einen sehr alte Familienmitglieder beinhalten und zum anderen eine große Anzahl an Kinder sowie Kleinkinder zu versorgen haben, den Vorzug zu geben.

Wir nahmen am Ende 1.194,83 € in die Hand, um 6 Familien mit einem neuen Teppich auszustatten. Das mag jetzt vielleicht für einen Moment komisch klingen, warum ein solcher Teppich eine Bereicherung darstellt, drum lasst es mich euch kurz erklären. Die iranischen Häuser und Wohnungen sind meist sehr schlicht und spartanisch aufgebaut und eingerichtet. Sie bestehen aus einem großen Raum, der im Regelfall die Kochzeile beinhaltet und in dem der komplette Alltag stattfindet, sowie einem Badezimmer. In seltenen Fällen existiert noch ein weiterer Raum. Jener große Raum dient also als das Schlafzimmer der ganzen Familie, damit auch als Kinderzimmer, aber auch als Wohnzimmer sowie als Küche und Esszimmer. Im Mittelpunkt dieses Raumes stehen eben jene Teppiche, die Travel for Smiles für die betroffenen Familien durch eure Spenden finanzieren konnte. Da es in den Haushalten kaum Mobiliar gibt und das wenige, was die Familien hatten durch das Hochwasser zerstört wurde, dienen diese Teppiche als Matratze zum Schlafen, unter Tags als Couch zum Entspannen, als Spielwiese der Kinder und als Tafel, an der gegessen wird. Es ist also der Platz, an dem die Familie zusammenkommt und der ein Haus beziehungsweise eine Wohnung zu einem Zuhause macht.

Es freut uns sehr, dass wir durch eure finanzielle Unterstützung dafür sorgen konnten, dass sechs durch diese Katastrophe gezeichnete Familien jetzt ein schöneres Zuhause haben.

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