Gemischte Gefühle in Bangladesch

von | Jun 11, 2019 | Blog | 0 Kommentare

[:de]Über allen Ereignissen stand für mich natürlich die Ankunft von Valentina in Dhaka. Rund fünf Monat, der kleine Zwangsurlaub in der Heimat wegen des Pakistan Visums ausgenommen, war der schwere Abschied zwischen mir und Valentina schon her. Umso mehr fieberten wir beide unserer lang ersehnten Wiedervereinigung entgegen. Dominik und ich waren schon einen Tag zuvor per Flieger in Dhaka angereist, da unser Auto doch tatsächlich beschlossen hatte, nachdem es den Bergen Nepals, der Wüste Irans und mehreren tausend Schlaglöchern in zwölf Ländern getrotzt hatte, in West Bengalen den Geist auf zu geben. Vielleicht hatte es sich aber auch Kalkutta als Ende unserer Reise gemerkt und schlichtweg keine Lust mehr auf die letzte Etappe nach Dhaka, Bangladesch, und zurück. Was es auch gewesen sein mag, die Feder des linken Hinterrads war gebrochen, ein Ersatzteil nicht auffindbar und so beauftragten wir den äußerst hilfreichen Harjit mit der Reparatur in Kolkata. Wir quartierten uns bei Ratul, der ein Freund unseres Bekannten Munif ist, für die erste Nacht in Dhaka ein.
Am nächsten Morgen war es dann soweit, Valentina und ich konnten uns endlich wieder in die Arme schließen. Wir trauten uns lediglich einen kurzen Begrüßungskuss auszutauschen, da wir nicht wussten, ob dies in dem muslimischen Bangladesch gestattet ist.

Wir genossen einen erholsamen Tag in Zweisamkeit, den Valentina zum Großteil damit verbrachte den Schlaf, den sie auf ihrer vierundzwanzig stündigen Anreise vermisst hatte, nachzuholen. Die folgenden Tage machten wir beide, gemeinsam mit Dominik, einige kleine Erkundungstouren der Umgebung, wobei Valentina eine erste Chance bekam, sich an das Chaos einer asiatischen Großstadt zu gewöhnen. An dieser Stelle muss leider bemerkt werden, was für eine andere Erfahrung es ist mit einer Frau auf den Straßen unterwegs zu sein. Waren Dominik und ich es schon gewohnt permanenten neugierigen Blicken ausgesetzt zu sein, bemerkten auch wir die Weise, auf welche viele der Männer auf den Straßen Valentina beäugten. In Bangladesch ist es ähnlich wie in den ebenfalls sehr muslimisch geprägten Ländern Iran und Pakistan, in denen der Alltag der Frau größtenteils zuhause stattfindet. Diese Lebensweise führt dazu, dass Frauen auf den Straßen und im öffentlichen Leben kaum anzutreffen sind und der Anblick einer weißen Frau eine echte Seltenheit ist. Auch wenn Valentina kein Kopftuch trug, war sie für eine Touristin angemessen gekleidet, was sie aber leider nicht vor den unangenehmen Blicken vieler Männer schützte.

Das Ganze gipfelte bei unserem Ausflug mit dem äußerst netten Farazi, ein weiterer Freund Munifs, der uns die wenigen Attraktionen, der nicht auf Tourismus ausgelegten Stadt, zeigte. Wir bewunderten das Lalbag-Fort, eine unvollendete Festungsanlage aus der Mogulzeit, sowie einen Tempel und machten uns dann zu Fuß durch die Altstadt Dhakas Richtung Hafen auf den Weg. Hier herrschte in den kleinen Einkaufsgassen ein Verkehrschaos an Rollern und Fahrradrikschas, dass selbst Dominik und ich auf unserer Reise so noch nicht erlebt hatten. Es war leider alles andere als ein Spaziergang durch die Altstadt, was wohl nicht zuletzt an den bevorstehenden Feiertagen lag. Tausende von Menschen erledigten ihre Einkäufe oder bahnten sich den Weg durch die Menschenmassen Richtung Hafen. Valentina, für die es sich in diesem Chaos anfühlte als würde sie unter ständiger Beobachtung von gaffenden Männern stehen, war es besonders anstrengend und sie wusste sich nur so zu helfen, dass sie versuchte diese nicht zu beachten und ihren Blick auf den Boden zu richten.

Wir kämpften uns tatsächlich bis zum Hafen durch, beschlossen von dort den schnellsten Weg aus dem Trubel zu nehmen und riefen ein Uber, was sich auf unserer Reise als eine der besten, preisgünstigsten und zuverlässigsten Fortbewegungsmittel herausgestellt hat. Zu sehen wie anders es ist auf der Straße als westliche Frau umherzulaufen, war leider im Ganzen eine sehr frustrierende Erfahrung. Wir haben natürlich gewusst, dass es etwas anderes ist solche Länder als Frau zu bereisen und haben die ein oder andere unangenehme Situation erwartet. Trotzdem hofften wir ähnlich positive Erfahrungen wie wir sie auf unserer Reise mit den Einheimischen gemacht hatten, mit Valentina teilen zu können. Wir hatten während unseres Roadtrips nie das Gefühl belästigt zu werden. Klar konnte die Aufmerksamkeit, die wir bekamen zu Weilen einmal ein wenig anstrengend sein, aber es wandte sich immer zum Guten. Traurigerweise verhielt es sich bei ihr anders und nur die wenigsten erwiderten einen freundlichen Gruß…
Auch wenn es eine bedrückende Erfahrung war, ist es gut sie gemacht zu haben, um uns beiden Männern ein wenig die Augen zu öffnen.

Es war aber längst nicht alles schlecht in Bangladesch.

Auch wenn Valentina hier natürlich das letzte Wort hat, machte unsere Bekanntschaft mit Munif vieles wieder wett. Zu unserem großen Glück hatte Simon, ein bemerkenswerter Mensch, über dessen Leben man ein Buch schreiben sollte, uns mit dem gebürtigen Bangladeschi zusammengebracht. Munif empfing uns alle mit so viel Herzlichkeit und auch seine Mutter schließ Valentina direkt in ihr riesiges Herz. Dank Simon haben wir einen Freund fürs Leben gefunden, der auch in Zukunft von Travel for Smiles eine große Rolle spielen wird.

Gemeinsam statteten wir auch „Families for Children“ einen Besuch im Namen von Travel for Smiles ab und Munif leitete einige Spiele zur Verbesserung von verbaler und körperlicher Kommunikation. Mehr dazu findet ihr im Spendenpost.

Nach lediglich fünf Tagen ging unsere gemeinsame Zeit zu Ende. Mal wieder zu früh für uns alle aber auch dieser Besuch wird mit Sicherheit nicht der letzte gewesen sein.
Bei einem Bier saßen Dominik und ich dann tatsächlich das letzte Mal auf unserer Reise zusammen. Aber auch bei diesem Abschied schmiedeten wir schon wieder große Pläne für die Zukunft, was es schon eher den Anfang von etwas Neuem werden ließ. Es bedeutet also keines Weges Lebewohl…[:en]Of course, the arrival of Valentina in Dhaka was my main focus above all other events. About five months, including the small forced leave back home because of the Pakistan visa, had passed since the hard parting between me and Valentina in the middle of October last year. The more we both feverishly awaited our long-awaited reunion. Dominik and I had already arrived in Dhaka by plane the day before because our car had actually decided to travel to West Bengal after traveling through the mountains of Nepal, the desert of Iran and several thousand potholes in fifteen countries. However,maybe it had noted Kolkata as the end of our journey and simply did not feel doing like the last leg to Dhaka Bangladesh and back. Whatever it may have been, the spring of the left rear wheel was broken, a spare part was not found and so we instructed the extremely helpful Harjit with the repair. We settled at Ratul, a friend of Munif, our contact in Dhaka, for the first night. The next morning it was time. Valentina and I were finally able to embrace each other again. We only dared to exchange a short welcome kiss as we did not know if this was allowed in Muslim Bangladesh.

After a restful day in togetherness, Valentina spent most of her time catching up on the sleep she had missed on her twenty-four-hour journey. The following days, we did, together with Dominik, some small explorations of the area, where Valentina got a first chance getting used to the chaos of an Asian big city. At this point, unfortunately, it must be noted what a different experience it is to be out with a woman on the streets. If Dominik and I were already used to being exposed to constant prying eyes, we also noticed the way in which the men on the streets eyed Valentina. Although she was appropriately dressed, many unfortunately started at the wrong body parts, which caused great unease with Valentina and us.

In Bangladesh it is similar to the other muslim countries we visited on our journey like Iran and Pakistan, in which everyday-life for women takes place mostly at home. This lifestyle makes the appearance of women in the street far more rare than what we are used to from back home and it felt like Valentina was the only white-skinned woman in all of Dhaka. Eventhough she was not wearing a headscarf, she was dressed appropriately for a tourist, but it did not safe her from the disagreeable stares of many man.

The whole thing culminated in our trip with the extremely nice Farazi, another friend of Munif’s, who showed us the few attractions of the non-tourism city. We admired the Lalbag Fort, an uncompleted fortress from the mogul-era, as well as a temple, and then made our way on foot through the old town of Dhaka to the harbor. Here in the small shopping lanes there was a lot of chaos consisting of scooters and bicycle rickshaws that even Dominik and I had not experienced on our trip so far. It was unfortunately anything but an idyllic walk through the old town as you imagine it, which can be explained by the approaching holidays, which resulted in thousands of people doing their shopping or making their way through the crowds to the harbor.

For Valentina, who was under constant observation in all this chaos and was only able to help herself by not paying attention to them and looking at the ground, it was especially hard. We fought our way through to the harbor, decided to take the quickest way out of the hustle and bustle, and called an Uber, which turned out to be one of the best, cheapest and most reliable means of transportation on our journey.

Unfortunately, it has been a frustrating experience to see how different it is to walk around the street as a woman. I wanted so much to share the positive experiences we had with many locals , but it was frightening how different the outspoken curiosity shows itself with women. Dominik and I never had the feeling of being bothered on our journey. Of course, the attention we got was sometimes a bit exhausting but it always turned out well if you greeted with a smile and a bright face from the opposite did the same.

Sadly,with her they behaved differently and only very few returned a friendly greeting … Even though it was an oppressive experience, it’s good to have seen it to open our eyes a little.

But not everything was bad in Bangladesh. Although Valentina has the last word here of course, our acquaintance with Munif made up for a lot.

 

Fortunately for us, Simon, a remarkable person about whose life you should write a book, had come into contact with the native Bangladeshi. Munif received us all with such warmth and his mother took Valentina directly in her huge heart. Thanks to Simon, we have found a friend for life who will continue to play a major role in our lives and the future of Travel for Smiles. Together, we also made a visit to „Families for Children“ and Munif led some games to improve verbal and physical communication. You can find out more about this in the donation post.

After only five days, our time together was over,again too early for all of us, but this visit will certainly not be the last.

During a beer, Dominik and I sat together for the last time on our journey. But even at this farewell, we again made big plans for the future, which made it rather the beginning of something new. So it does not really mean farewell but we both see each other on the Dult in Landshut again.[:]

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