Als Freiwillige bei Sefkat-Der

von | Nov 23, 2018 | Blog, Freiwilligen Arbeit | 0 Kommentare

[:de]Voller Vorfreude sahen wir unserer Zeit bei Sefkat-Der entgegen, was nicht zuletzt daran lag, dass es ein kleines Abenteuer zu werden versprach. Der gesamte Kontakt im Vorfeld lief ausschließlich auf Türkisch mit unseren Ansprechpartnern ab, was uns jede Mail die wir bekamen und schrieben aus dem und ins Türkische von einer Freundin übersetzen ließ. Gespannt auf die Kommunikation und unsere genaue Aufgabe begaben wir uns also abends auf den Weg durch die verwinkelten Gassen Istanbuls, um uns gegen 20 Uhr mit den anderen Freiwilligen zu treffen.

Vor dem kleinen Eingang des Hauses, dass eine Unterkunft für 12 Menschen ohne Dach über dem Kopf bietet, standen bereits die ersten Helfer in orangenen Warnwesten. Im inneren wurden wir mit einem großen Lächeln empfangen, aber wie von uns nicht anders erwartet, ohne ein Wort Englisch. Schnell stellte sich heraus, dass wir bei Eda, die wie es uns schien die Koordinatorin des ganzen sein musste, mit Deutsch wesentlich besser zurechtkommen würden. Dieses Phänomen war uns schon des Öfteren auf den Straßen Istanbuls begegnet.

Nach einem uns angebotenen Tee und ein paar Gesprächsfetzen wurde jedem von uns eine Warnweste in die Hand gedrückt und wir machten uns daran den kleinen vollbeladenen Wagen mit Essen für 200-300 Personen die steilen Hänge der Stadt hinauf zu wuchten. Unsere Route führte durch eine viel belebte Einkaufsstraße, was einige von uns vorweg laufen ließ, um die Leute vor dem schwer zu manövrierenden Karren zu warnen. Wir beide riefen den Leuten lauthals „pardon“ entgegen was im Türkischen dieselbe Bedeutung wie im französischen hat, “Entschuldigung!“. Unsere französische Aussprache sorgte für allgemeine Belustigung.

Wir erfuhren, dass einige der anderen Freiwilligenhelfer in den Einrichtungen von Sefkat-Der wohnen und ihre Hilfe als unausgesprochene Gegenleistung für ihr kostenloses Essen und Unterkunft sehen.  Zwei von ihnen waren des englischen mächtig und so unterhielten wir uns die 45 Minuten Fußweg fast durchgängig.

Am Taksim-Platz angekommen legten wir eine Plane aus, auf der wir unsere kleine Essensausgabestelle organisierten. Dominik war für die Portionierung des Reises und ich für die Soße zuständig. Das Verteilen machte großen Spaß, vor allem nachdem man ein Gefühl für die Portionsgröße hatte und wir uns im Akkord die Teller reichten. Es war eine sehr nette Atmosphäre. Man fragte uns oft woher wir kommen und unsere Antwort traf meist auf große Begeisterung. Sie lieben Deutschland. Einige sprachen sogar ein bisschen Deutsch und sagten Dinge wie „vielen Dank“ und sogar „ich liebe dich“, was den Eindruck machte als wäre es tatsächlich als aufrichtiger Ausdruck von Dankbarkeit und nicht als Witz gemeint.

Uns fiel die Anzahl an jungen Männern auf, die fast die Hälfte aller Bedürftigen in der langen Schlange ausmachten, die sich schon vor unserem Eintreffen gebildet hatte. Später erfuhren wir, dass es sich bei den meisten um Flüchtlinge hielt und ein beträchtlicher Teil von ihnen aus Syrien stammt. Während unserer Arbeit lernten wir auf das syrisch-arabische „shukran“ (danke) mit „laafu“ (gerne) zu antworten.

An unserem ersten Tag reichte das Essen für die rund 250 Menschen nur knapp aus. Diejenigen, die sich zuletzt in die Schlange gestellt hatten, bekamen leider nur noch kleinere Portionen und sogar die Soße für den Reis ging aus, was ein wenig an mir nagte, weil ich dafür zuständig gewesen war. Es gestaltete sich durchaus schwer, einen riesen Topf und die Anzahl an Menschen so einzuschätzen, dass jeder die gleiche Menge bekam. Eda versicherte mir aber, es komme öfter vor und sie können maximal einen großen Topf machen. Ich nahm mir vor die nächsten Male von beginn an kleiner zu portionieren.

Die nächsten Tage sollten zeigen, dass es nicht nötig sein sollte kleinere Portionen zu machen. Durch das schlechte Wetter, mit für Istanbul untypisch andauernden Regen, wie uns die Einheimischen mitteilten, blieben viele der Obdachlosen und Bedürftigen des ersten Tages der Verteilung fern und zogen es vor an einem trockenen Ort den Abend zu verbringen.

Nachdem jeder etwas zu essen bekommen hatte bauten wir die Station ab, verstauten Töpfe, Kellen und Tabletts in unserem Wagen und verabschiedeten uns voneinander. Die routinierten Helfer, die sich aus unterschiedlichsten Bewohner der Stadt zusammen setzen, von welchen die Meisten 2 mal die Woche helfen, verließen uns und zusammen mit einigen der Bewohner des Obdachlosenheims, vor welchem wir uns getroffen hatten, schoben wir den, nun wesentlich leichteren Schubkarren, zurück zu ihrer Unterkunft.

Die abendliche Routine unseres Helfens bei Sefkat-Der bereitete uns große Freude, sodass wir jeden Abend in Istanbul mit nur einer Ausnahme von Dienstag bis Samstag halfen. Am Freitagmorgen verknackste ich mir leider den Rücken und konnte den restlichen Tag nicht mehr stehen geschweige denn laufen, weshalb sich Dominik diesen Abend allein auf den Weg machte. Am nächsten Morgen fuhren wir ins Krankenhaus und ich bekam eine Spritze und Tabletten verschrieben, welche die Beschwerden weitest gehend behoben haben.

Wir können jedem von euch, der die Chance bekommt Istanbul zu besuchen, nur empfehlen abends einmal bei der Ausgabe zu helfen. Es nimmt lediglich um die 2-3 Stunden eines Abends in Anspruch und ist eine tolle Möglichkeit in die Stadt einzutauchen. Durch die Zentrale Lage ist es außerdem sehr bequem zu erreichen.

Bei Interesse kontaktiert uns gerne in den Kommentaren oder schreibt uns eine Mail an travelforsmiles2018@gmail.com .[:en]Translation to english by Mila T. <3

We were very much looking forward to the little adventure of volunteering at Sefkat-Der. All previous communication was in Turkish and thus every single mail with our contact person was translated by a Turkish friend of ours. Curious on how we would communicate with the people and what our actual tasks would be, we arrived at 8 pm. on site after walking through the winding alleys of Istanbul.

In front of the small entrance to the small building, which offers accommodation to 12 homeless people, other volunteers were already waiting all wearing their orange safety vests. We were greeted by smiling people and – as we anticipated – none of them was speaking English. Very quickly we figured out that we were better off speaking German to our main contact person Eda. A phenomenon, which we already discovered previously in the streets of Istanbul.

After having a gratuitous cup of tea and a few snippets of conversation we were offered a safety vest and started heaving the cart with food for 200-300 persons up the steep hills of the city. Our route led through a vivid shopping street which required few of us to walk ahead to warn people from the difficultly steering wagon. Both of us were shouting “pardon”, which has the same meaning in Turkish as in the French, our French pronunciation however led to broad amusement among the locals.

We learned that a few of the volunteers were living the in Sefkat-Der facilities themselves and viewed their work as a way to repay that favor. We were able to talk to two of them for 45 minutes, who were able to speak English.

After arriving at the Taskim place, we set up our stand. Dominik´s responsibility was to dish out the rice and I handed out the sauce. Dishing out food was a lot of fun especially after getting into the flow of portioning the meals correctly. The general mood was inspiring. People were asking where we were from and were amazed to hear that we came all the way from Germany. They love Germany. Few of them knew some German and said things like “vielen Dank” (“thank you”) and even “ich liebe dich” (“ I love you”), which sounded truly grateful and not like a joke.

We recognized the high number of young men, which made up roughly half of all the people in need waiting for us in line even before we arrived. Later on, we learned that most of them were refugees mainly from Syria. During our activity we learned to reply “laafu” (you´re welcome) to the Syrian-Arabic “shukran” (thank you).

On our first day the food was barley enough for the 250 people. The ones, which were last in the queue, unfortunately only received smaller portions and few of them had to eat rice without sauce. It was not as easy as you might think to portion such a huge pot of rice so that everyone would get enough to eat. Eda however told me that this happens quite often and that they are only able to make one huge pot of rice and sauce. For next times I intended to start by giving out smaller portions in the beginning.

During the following days however, it was not necessary to give out smaller portions. Due to the bad weather and low lasting rain, which is very uncommon for Istanbul as locals told us, many of the homeless spent the evening in their dry shelters rather then going out into the rain.

After everyone received something to eat, we dismantled our cart, stowed the pots and trays and said goodbye. The experienced volunteers, often being locals supporting the Sefkat-Det twice a week, left and both of us and the other remaining volunteers started to maneuver the significantly lighter wagon back to the homeless shelter.

We highly enjoyed the evening routine of supporting the Sefkat-Der. That’s why we volunteered every evening except of Tuesday and Saturday. On Friday morning I hurt my back and therefore was unable to walk or even to stand for the remaining day, so Dominik took off by himself. We went to the hospital the next morning where I received a shot and pain killers that mostly eliminated symptoms.

We can highly recommend supporting the Sefkat-Der if you make it to Istanbul. It only takes 2-3 hours of one evening and it is a great opportunity to get to know the city from a totally different perspective. It is also easy to reach due to its central location.

If you are interested you are very welcome to leave a comment or to send us an email to travelforsmiles2018@gmail.com.[:]

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